Formel 1 aka Formel Hollywood

(only in german – sorry)

Update 03.04.2013

Youtube hat meinen Interviewschnipsel mit Sebastian Vettel leider gesperrt (der Medienpartner RTL hat offensichtlich etwas dagegen, dass seine Sendungen auf Youtube verbreitet werden). Ich habe es daher mal direkt hochgeladen. Mal schauen wie lange es bis zur Abmahnung durch RTL dauert…

F1 Sepang – Interview Kai Ebel mit Sebastian Vettel nach dem Rennen – RTL (HD)

8093437730_06b00c3134_oIch schaue ja seit einiger Zeit wieder Formel 1. Habe ich früher – als ich noch deutlich jünger war – auch schon mal gemacht. Damals bin ich noch freiwillig früh aufgestanden oder habe mir die Nächte um die Ohren geschlagen um die Rennen live zu sehen. Live ist schließlich life ;-). Heutzutage lasse ich die gesamte RTL-Berichtsmaschine von meinem Festplattenrecorder aufnehmen, so dass ich alles vorspulen kann was ich nicht sehen mag. Zum Beispiel die liebe Werbung.

Und da alle Welt gerade über das letzte Rennen in Sepang redet, möchte ich auch meinen Senf dazu geben.

Ehrlich gesagt – ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Denn eigentlich ist etwas passiert, was der Formel 1 nur nützt. Es gibt (endlich) wieder einen Skandal. Zwei Fahrer (Webber & Vettel) die zwar für das selbe Team fahren, aber offensichtlich sehr unterschiedliche Interessen verfolgen. Genau solche Konstellationen braucht die Formel 1. Es gab sie in der Vergangenheit schon. Senna und Prost bei McLaren zum Beispiel. Der einzige Unterschied zwischen damals und heute dürfte wohl sein, dass damals auf die “political correctness” lange nicht soviel Wert gelegt wurde wie heute und die Fahrer dementsprechend keine reumüdigen, glattgebügelten Waschlappen waren – ein Fakt, den auch Niki Lauda in regelmäßigen Abständen kritisiert und den wiederum wenig angepassten Kimi Räikkönen lobt: “Ich freue mich für den Kimi. Der ist ein Urgestein. Er ist ein super Typ. Der kümmert sich um nichts. Ob man ihn versteht oder nicht, ist ihm egal. Der steht da oben emotionslos. Heute Abend wird er sich einen runterkippen. Der lebt, der lebt richtig, obwohl er so ein kühler Typ ist…” – Quelle:  http://www.motorsport-total.com/f1/news/2013/03/Zwei_Stopps_das_Ass_bei_Raeikkoenens_Strategie-Poker_13031802.html.

Aber zurück zum Thema. Das Überholmanöver von Sebastian Vettel gegen seinen Teamkollegen Mark Webber. Meiner Meinung nach gibt es genau 3 Verlierer in dieser Situation. Zum einen Red Bull als Team. Sie haben die deutliche Quittung dafür bekommen, dass sie nie eine klare Rangfolge in ihrem Team festgelegt haben. Zum anderen Red Bull Teamchef Christian Horner. Ihm mangelt es offensichtlich an Autorität. Sonst hätte er Vettel die klare Anweisung gegeben, sich wieder schön auf Platz 2 anstatt 1 einzufinden. Und last but not least Mark Webber. Wäre er ein richtiger Racer hätte er mit dem Messer zwischen den Zähnen versucht Vettel zu überholen und sich “seinen” 1. Platz zurück zu holen. Er war intelligent genug das nicht zu tun, weil er wusste, dass von einem längeren Zweikampf zwischen ihm und Vettel nur die Verfolger auf Platz 3 & 4 (Hamilton & Rosberg) profitiert hätten. Geholfen hat es ihm leider nichts. Vielmehr hat er damit unbeabsichtigterweise eine Entwicklung beschleunigt, die sich im Hintergrund schon angedeutet hatte, mit wahrscheinlich 2 Konsequenzen: a) wird Christian Horner wohl nicht mehr lange Teamchef sein, denn wer braucht schon einen Chef ohne Durchsetzungsvermögen ? b) dürfte Webber sein eigenes Karriereende bei Red Bull beschleunigt haben. Dafür spricht nicht nur sein zum Ende des Jahres auslaufender Vertrag (und der noch bis Ende 2014 laufende Vertrag von Vettel) sondern vorallem die Tatsache, dass er der heimlichen Nummer 1 im Red Bull Team (nämlich Sebastian Vettel) auf Gedeih und Verderb nicht zu Hilfe eilen wird im Kampf um WM-Titel Nummer 4. Und genau das wird ihm (Webber) dann auch keiner verübeln. Außer natürlich sein derzeitiger Arbeitgeber Red Bull.

In diesem Zusammenhang muss ich auch eine Lanze für RTL´s Boxenluder Kai Ebel brechen. Er hat im Interview nach Rennende die einzige sinnvolle Frage an Sebastian Vettel gestellt. Nämlich ob er sich bei seinem Überholmanöver nicht auch ein bisschen an Michael Schumacher und dessen kompromissloser Art orientiert hat. Aber seht selbst im Video links, ab Minute 0:50.

Wie man es anders macht, hat ziemlich eindrucksvoll Mercedes demonstriert. Ross Brawn scheint genau zu wissen, welche Wortwahl nötig ist, um den schnelleren Nico Rosberg hinter dem langsameren Lewis Hamilton zu halten. Aus sportlicher Sicht auch nicht besonders schön. Das wusste auch Lewis Hamilton der mit seiner Aussage “eigentlich gehört Nico auf dieses Treppchen” (Siegerpodest Platz 3) nicht nur Sympathiepunkte gesammelt hat, sondern gleichzeitig auch gezeigt hat, dass er sehr wohl weiß, wem er diesen dritten Platz zu verdanken hat. Und nachdem er bei seinem ersten Boxenstop fälschlicherweise erstmal an der Box seines Ex-Teams McLaren angehalten hat, ist er mir sowieso sympathisch geworden.

Doch auch die Mercedes Strategie könnte ernste Konsequenzen haben, in diesem Falle aber wohl nur für Ross Brawn. Schon seit einiger Zeit wird kolportiert, dass man bei Mercedes nur auf eine Gelegenheit wartet, um ihn abzulösen. Genau diese könnte er mit seiner strikten Stallorder geliefert haben. Von Niki Lauda (neuer Mercedes Motorsport Aufsichtsratschef) gabs direkt nach dem Rennen live bei RTL erstmal eine Breitseite. “Aus sportlicher Sicht nicht in Ordnung” nannte Niki Lauda die Stallorder von Ross Brawn. Der herbeigeeilte neue Geschäftsführer von Mercedes Motorsport Toto Wolff versuchte das zwar etwas abzuschwächen, erlaubte sich aber keinen direkten Widerspruch zur Meinung Laudas. Und hier beginnt die Verschwörungstheorie: Nico Rosberg ist der Sohn von Keke Rosberg. Dieser wiederum ist nicht nur ein alter Haudegen im Motorsportzirkus, sondern auch ein guter Bekannter von Daimler Vorstandschef Dieter Zetsche. Zetsche sitzt, nachdem er bzw. die Geschäftszahlen von Daimler wiederholt die Erwartungen der Analysten enttäuscht haben, auch auf keinem allzufesten Stuhl. Ross Brawn hat durch seine Stallorder indirekt die Rangfolge im Team vorgegeben. Hamilton 1, Rosberg 2. Nun passiert (alles rein hypothetisch) folgendes: Vater Rosberg spricht mit Vorstandschef Zetsche und teilt ihm mit, dass nicht ausgemacht war, dass sein Sohn Nico Nummer 2 im Team ist. Zetsche spricht daraufhin mit Lauda, der ebenfalls bekennender Nico Rosberg Fan (und nebenbei gesagt Kritiker von Hamilton) ist. Lauda spricht mit Toto Wolff und beide einigen sich auf ein Bauernopfern. Das wäre dann Ross Brawn, den man ja ohnehin loswerden möchte. Problem gelöst, möchte man denken. Aber nur bis zum nächsten Grand Prix, wenn sich erneut die Frage stellt – wer ist Nr. 1 und wer ist Nr. 2 im Team Mercedes.

Bei Ferrari hat man dieses Problem schon seit Jahren gelöst. Es gibt immer eine Nummer 1 und Nummer 2 im Team. Letztere hat sich dann entsprechend unter zu ordnen. Rubens Barichello kann aus der Zeit an der Seite von Michael Schumacher mit Sicherheit das ein oder andere Klagelied in dieser Richtung anstimmen. Im Jahre 2013 ist die Nummer 1 bei Ferrari leider auch ein Wasch- und Jammerlappen namens Fernando Alonso. Schon in der letzten Saison fiel er hauptsächlich durch Wehklagen bei Twitter über Konkurrent Vettel und die ach so bösen Red Bulls auf (http://www.focus.de/sport/formel1/alonso-stichelt-auf-twitter-vettel-soll-regelwidrig-ueberholt-haben-_aid_870567.html). In Sepang hat er sein Rennen gleich in der 1. Runde weggeworfen, indem er Kollege Vettel leicht am Heck berührte und seinen Frontflügel beschädigte. Sein Team war anschließend dumm genug ihn nicht gleich zum Flügelwechsel in die Box zu beordern , in der Hoffnung den Flügel- mit einem ohnehin notwendigen Reifenwechsel irgendwo zwischen Runde 3-5 zu verbinden. Das Ende der Geschichte ist bekannt. Der Flügel löste sich ab und für Alonso ging es ab ins Kiesbett und danach zu Fuß zurück in die Box. Offensichtlich kein Grund für Trübsal bei ihm, bei Twitter lästerte er fleißig über die Konkurrenz (http://www.motorsport-total.com/f1/news/2013/03/Alonso_Red-Bull-Tempo_beeindruckt_mich_nicht_13032711.html). Vielleicht sollte er sich nochmal die Ergebnistabelle aus Sepang zu Gemüte führen um zu begreifen, dass sein Ergebnis das Schlechteste war.

Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/mike_elleray/8093437730/

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