Die TU Ilmenau steht vor dem wohl gr√∂√üten Umbau seit 23 Jahren…

(only in german – sorry)

…so beginnt ein Interview in der Th√ľringer Allgemeine vom 03.03.2015 mit dem Rektor der TU Ilmenau¬†Univ.-Prof. Dr. rer. nat. habil. Dr. h. c. Prof. h. c. mult.¬†Peter Scharff. Anlass f√ľr das Interview sind die Pl√§ne des Rektorates, eine umfassende Strukturreform der Universit√§t durchzuf√ľhren bei der u.a. 11 Lehrst√ľhle wegfallen sollen. Die √úberschrift des Interviews ist in diesem Falle keine √úbertreibung, sondern eine nicht unrealistische Zustandsbeschreibung. Leider ist die ganze Thematik a) sehr komplex und reicht b) zeitlich deutlich weiter zur√ľck, als dies im Interview deutlich wird. Das ist aber kein Vorwurf an den Interviewer sondern schlicht und einfach der Tatsache geschuldet, dass sich der gesamte Sachverhalt mit allen bereits get√§tigten (Spar-)Ma√ünahmen und ihrer zeitlichen Abfolge, sowie den Ursachen, nicht sinnvoll in einem Artikel oder Interview abbilden lassen.

Nachdem ein Freund das Interview auf Facebook geteilt hat, habe ich einen Kommentar dazu geschrieben, den ich hier leicht bearbeitet wiedergeben m√∂chte, wohl wissend das mein Kommentar deutliche inhaltliche L√ľcken aufweist und den Sachverhalt ebenso nicht in G√§nze darzustellen vermag.

Soweit ich die Situation √ľberblicke, sind die Pl√§ne des Rektorates die Reaktion auf hochschulpolitische Entscheidungen, die schon vor sehr vielen Jahren getroffen wurden. Genau genommen sind sie eine Kapitulation vor den Implikationen dieser Entscheidungen. Viele Universit√§ten in Deutschland haben in den letzten Jahren alles an Kosten rausgeschwitzt, was sich ohne grundlegende Eingriffe in die Struktur (was am Beispiel der TU Ilmenau¬†die Anzahl der Lehrst√ľhle und damit auch mehr oder weniger die wissenschaftliche Breite ist) herausschwitzen lie√ü.
Allen Beteiligten muss klar gewesen sein, dass der Tag kommen wird, an dem die politisch und wirtschaftlich gewollte Profilbildung und Schwerpunktsetzung (bezogen auf Forschung UND Lehre) der Universit√§ten sich nicht mehr weiter aufschieben lassen wird. Das Druckmittel, um die gr√∂√ütenteils sehr unwilligen Universit√§ten¬†(Freiheit von Forschung und Lehre)¬†zur Aktivit√§t zu bewegen, war von Anfang an das Geld. Zum einen gut getarnt durch Ma√ünahmen wie z.B. die Exzellenzinitiative des Bundes, zum anderen durch zu mindestens fragw√ľrdige Finanzierungskonzepte wie den Hochschulpakt in Th√ľringen. Denn die wissenschaftliche Breite an einer Universit√§t ist nicht mehr erw√ľnscht (z.B. an der Universit√§t Halle). Es soll stattdessen stark spezialisierte und hocheffiziente Ausbildungsst√§tten geben, die Studierende schnell in einer gewissen Qualit√§t dem Arbeitsmarkt zuf√ľhren. Der Zug, um diese grunds√§tzliche Ausrichtung in Frage zu stellen, ist schon lange abgefahren. Das Rektorat der TU Ilmenau tut jetzt das, was es auch schon vor 5, vielleicht sogar 10 Jahren h√§tte tun k√∂nnen oder m√ľssen (genau genommen haben sie sogar schon damit angefangen, nur bisher mit anderen Ma√ünahmen). Sie versuchen, die TU Ilmenau in der jetzigen Qualit√§t als Technische Universit√§t zu erhalten. Und auch wenn das jetzt arg kitschig klingt, ist es meiner Meinung nach ein “Klasse vor Masse” Ansatz. Ich bin mir ziemlich sicher, dass in manchen Erfurter Schreibtischschubladen die Briefb√∂gen mit Technische Hochschule Ilmenau gut bevorratet lagern (meint die “Degradierung” zur Fachhochschule). Ich pers√∂nlich hoffe, dass sie auch da bleiben.

Nichtsdestotrotz sollte das Rektorat die bisher an der TU Ilmenau gelebte Mitbestimmung respektieren und den straffen Zeitplan ggf. dahingehend anpassen. Am Vorhaben an sich wird das nur leider nichts ändern.