Der erfolgreichste Fahrer aller Zeiten verlässt die Formel 1

(only in german – sorry)

Update 21.10.2012

Norbert Haug muss weg !

Anders kann man es nicht sagen. Denn heute hat Mercedes in der DTM alles verloren, was es zu verlieren gab. Der Fahrertitel ging nicht unverdient an BMW. Der Konstrukteurstitel ebenso. Es war ein spannendes und geiles Rennen. Es ging um die Wurst. Bruno Spengler (BMW) auf Platz 1. Gary Paffet (Mercedes) auf Platz 2. Alle waren angespannt. Alle. Bis auf Norbert Haug. Und dieses Foto sagt mehr als 1.000 Worte. Wie kann man denn bitte als Sportchef in Runde 20 beim wichtigsten Rennen der Saison nicht am Kommandostand stehen ? Die Leute im Bild können gar nicht so wichtig sein, um das es erlaubt wäre, mit ihnen einen entspannten Plausch zu halten. Das wäre ungefähr so, als ob der Trainer der FuĂźballnationalmannschaft mitten im Endspiel der FuĂźballweltmeisterschaft einfach mal fĂĽr 5 Minuten in die Kabine ginge. Skandal ! Ich hoffe nur, dass Norbert Haug schon die KĂĽndigung in der Tasche hat und deswegen diese “Ach mir doch egal was da läuft.” Einstellung an den Tag gelegt hat.

Ich gebe es gleich zu Beginn zu. Ja, ich bin ein Michael Schumacher Fan. Und ich war es immer gewesen. Schon damals zu Zeiten seiner ersten Karriere und ich bin es auch heute noch, nach der zweiten, weitaus weniger erfolgreichen, Karriere. Ich mag seine Einstellung zum Racing, die Sebastian Vettel nach Bekanntwerden des RĂĽcktritts mit diesen schönen Worten beschrieb (1): “Auf der Strecke war es manchmal sehr hart, aber immer fair. Es ist etwas Besonderes, wenn man weiĂź, dass einem im Zweikampf der Platz gelassen wird, den man braucht, aber nicht mehr”. Selten ist Michael Schumachers Fahrweise besser auf den Punkt gebracht wurden.

Schade finde ich die Art des Abschieds und insbesondere dieTatsache wie Mercedes den quasi Rauswurf gestaltet hat. Aber sei´s drum, in der Formel 1 geht es eben hauptsächlich ums Geschäft und das war eine geschäftliche Entscheidung wie viele andere (mit weitaus geringerem Medieninteresse) es auch sind. Viel schlimmer finde ich die Perspektive unter der das Comeback von Michael Schumacher jetzt nach seinem RĂĽcktritt betrachtet wird. Kurz zusammengefasst klingt das dann so (2,X): Mercedes kauft 2009 das Formel 1 Team Brawn GP, dessen Mastermind Ross Brawn einen groĂźen Teil zu Michael Schumachers Erfolgen bei Ferrari beigetragen hat. Das Team wird fĂĽr die Saison 2010 in Mercedes GP umbenannt, die Zusammenarbeit mit der McLaren Group (Chassislieferant) beendet. Was fehlt sind 2 Fahrer und ein gutes Auto, denn das bisherige Fahrzeug von Brawn GP war nicht sonderlich gut. Erste Verpflichtung als Fahrer ist Nico Rosberg, aber er ist nur schmĂĽckendes Beiwerk (an Spekulationen ĂĽber den Einfluss seines Vaters auf Norbert Haug möchte ich mich nicht beteiligen). Also zählt man bei Mercedes 1+1+1 zusammen und erhält als Ergebnis die Zauberformel: Michael Schumacher (genialer Fahrer) + Ross Brawn (genialer Ingenieur) + schlechtes Auto = alles wird gut. NatĂĽrlich darf man nicht vernachlässigen, dass die Verpflichtung des bekanntesten deutschen Sportlers in einem deutschen Auto der schon lange gehegte Traum einiger Leute bei Daimler war. Nicht zu vergessen natĂĽrlich Bernie Eccelstone, der wohl dienstälteste Diktator im Rennzirkus. Ohne es zu wissen stelle ich einfach mal die kĂĽhne Behauptung in den Raum, dass er fĂĽr diesen Wahnsinnscoup auf Knien durch die heiligen Hallen von Daimler in Stuttgart gerutscht sein dĂĽrfte, aus schierer Dankbarkeit fĂĽr diesen unerwarteteten Popularitätsschub, den seine von allerlei Problemen gebeutelte Rennserie gerade zu diesem Zeitpunkt so dringend nötig hatte. Doch zurĂĽck zum Thema. Michael Schumacher sollte also zusammen mit Ross Brawn das machen, was sie bei Ferrari schon einmal fertig gebracht hatten. Aus fahrendem Schrott ein Weltmeisterauto inklusive Weltmeister machen. Nun, das hat nicht funktioniert. Und um auf die oben angesprochene Perspektive zurĂĽck zu kommen – der Schuldige in Form von Michael Schumacher ist schnell gefunden. Zu alt, zu langsam, zu wenig Biss, zu viele Fehler.

Doch ich finde, man kann die Geschichte auch anders sehen. Während 95% (ich habe nicht nachgerechnet) sich dieser einfachen (und fĂĽr die teuerste Rennserie der Welt viel zu einfachen) Darstellung anschlieĂźen, könnte man auch Mercedes und vor allem den blassen Teamchef Norbert Haug fĂĽr den Misserfolg verantwortlich machen. Er hat es nicht geschafft, diese enorme Chance zu nutzen und Michael Schumacher mit einem erneuten Gewinn der Weltmeisterschaft zum Formel 1 Gott zu machen und damit auch maximalen Profit aus der mit 20 Million € pro Jahr (nur Fahrergehalt fĂĽr ihn) ohnehin schon sehr teuren Angelegenheit zu schlagen. Dieser Norbert Haug hat es nicht geschafft sein Team zu motivieren und klare Akzente zu setzen, ganz im Sinne von: wir haben jetzt den besten Fahrer der Welt, also werden wir ihm auch innerhalb dieser drei Jahren das beste Auto der Welt zur VerfĂĽgung stellen. Man mag sich gar nicht vorstellen wie es ausgesehen hätte, wenn ein inzwischen 43 Jahre alter Michael Schumacher gegen Jungspunde wie Fernando Alonso oder Sebastian Vettel fährt und auch noch gewinnt. Es wäre der ultimative Dreikampf gewesen, wie ihn eine Formel 1 noch nicht gesehen hat (Senna vs. Prost waren nur 2 ;-)). Eine alte Weisheit sagt, der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken. Schaut man sich die Interviews mit Norbert Haug an, so fragt man sich, wer dieser wortkarge, emotionslose, fasrige, ja fast schon gleichgĂĽltige Herr ist und was der vor einer Kamera zu suchen hat. Wo sind die im Motosport so oft gezeigten Emotionen ? Wo ist die Leidenschaft ? Siegeswille sieht anders aus Hr. Haug. Vielleicht ist auch die Doppelbelastung – Formel 1 und DTM – zuviel fĂĽr ihn und seine FĂĽhrungsqualitäten. Er konnte zwar in den letzten Jahren die Markenmeisterschaft(4) in der DTM recht oft fĂĽr Mercedes holen, doch in 5 Jahren nur einmal den Meisterschaftsgewinner stellen. Und möglicherweise hat Mercedes durch zu hohes Risiko und eine offensichtlich nicht klar genug an den Fahrer kommunizierte Strategie (Stichwort: kein Risiko) beim vorletzten Rennen in Valencia, auch die Meisterschaft fĂĽr 2012 weggeworfen und dem DTM Neuling (SpätrĂĽckkehrer) BMW TĂĽr und Tor zur Meisterschaft geöffnet.

In der Formel 1 soll es jetzt Lewis Hamilton fĂĽr Mercedes GP richten. Ich bin gespannt. Wenn man schon personelle Konsequenzen fĂĽr den Misserfolg der letzten 3 Jahre zieht, dann sollte man vor Nobert Haug nicht Halt machen.

Quellen:

(1) http://www.motorsport-total.com/f1/news/2012/10/Vettel_zu_Schumacher-Ruecktritt_Ein_grosser_Verlust_12100417.html

(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Mercedes_Grand_Prix

(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Bernie_Ecclestone

(4) http://de.wikipedia.org/wiki/DTM#DTM-Champions_seit_2000

(X) http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Schumacher