Citroen C-Zero – ein elektrischer Fahrbericht

c01(only in german – sorry)

Elektroauto Nr. 2 – das war der Citroen C-Zero f├╝r mich. Meine ersten praktischen Erfahrungen in einem zero-emission-vehicle machte ich in einem e-Smart (Fahrbericht hier) vor ├╝ber einem Jahr. Genau genommen sind aber sowohl der e-Smart als auch der Citroen Zero nur lokal emissionsfrei, denn die Energie mit der sie geladen werden, muss schliesslich irgendwo und irgendwie produziert werden. Genug der Vorrede, schauen wir mal wie sich der kleine Citroen schl├Ągt.

Von au├čen betrachtet sieht der Citroen aus wie ein sehr schmaler, aber recht hoher Kleinwagen. Die Form hat mich sofort an asiatische Autos erinnert. Der Blick in den Kofferraum offenbart Platz f├╝r ca. 2 Bierk├Ąsten und noch ein bisschen Kram obendrauf. Nicht gro├č, aber f├╝r die Gr├Â├če des Fahrzeugs okay. Sollte man mehr Stauraum ben├Âtigen, kann man sich einfach der R├╝ckbank bedienen, die sich dank der 4 T├╝ren schnell beladen l├Ąsst. Ob ich dort allerdings sitzen m├Âchte – hinter mir als Fahrer jedenfalls nicht. Auf dem Fahrersitz angekommen, merke ich zum ersten Mal wie klein der Innenraum wirklich ist. Man sollte seinen Beifahrer schon m├Âgen, denn weit weg ist er / sie nicht. Die erste echte Entt├Ąuschung l├Ąsst dann nicht lange auf sich warten. Der Fahrersitz l├Ąsst sich nicht weit genug nach hinten schieben. Und das bei meinen mickrigen 1,80m. Daraus folgt, dass ich problemlos mit den Knien lenken k├Ânnte. Will ich aber nicht. Wenigstens l├Ąsst sich die Lehne deutlich hinter die B-S├Ąule bringen, was den Sitzkomfort wenigstens ein bisschen rettet. N├Ąchtes Problem – der Gurt. Ich muss mich schon deutlich verrenken, um ihn in seine Verriegelung zu bringen. Fazit: ich bin zu dick f├╝r dieses Auto. Danach wurde es besser.

Schl├╝ssel ins Z├╝ndschloss (ja sowas gibt es), drehen und es passiert – nichts. Das entsprach allerdings meiner Erwartung. Im Display begr├╝├čte mich in freundlichem Gr├╝n das Wort “Ready” und die Ladeanzeige stand bei “F” wie “Full”. Also fix den Ganghebel im extrem hakeligen Automatikgetriebe auf Reverse, lautlos raus aus der Parkl├╝cke und mittels “D” wie “Drive” der City entgegen. Schon auf den ersten Metern f├Ąllt auf, dass der C-Zero sehr wendig und zackig ist. Leider hat er nicht die unglaubliche Beschleunigung, wie ich sie im e-Smart beobachten konnte. Dr├╝ckt man das Gas beim Ampelrennen voll durch, so geht es durchaus flott vorw├Ąrts. Aber eben nicht radikal. Ein engagierter Rentner im Renault Megane konnte mich sogar auf den ersten 100m abh├Ąngen. Schade. Doch das Ganze hat seinen Grund. War alles ├╝ber 50 – 60 km/h im e-Smart eine reinste Qual, so souver├Ąn meistert der C-Zero den Sprint auf h├Âhere Geschwindigkeiten. Genauer gesagt, tat er das bis zu offensichtlich elektronisch begrenzten 136 Stundenkilometer. Okay, dann gings bergab und schon standen 142 km/h auf der Uhr aber wie jeder wei├č – auf jedes Tal folgt ein Berg. Diesen meisterte er anst├Ąndig im 120er Bereich. Nett. Dieser kurze Ausflug ├╝bers Autobahndreieck von M├Âbelhaus A zu M├Âbelhaus B hatte jedoch einen bitteren Nebeneffekt. Die Ladestandsanzeige war pl├Âtzlich nur noch halbvoll. Nach 20, zugegebenerma├čen nicht sehr sparsam gefahrenen, Kilometern. Ups. In den weiteren 12km City + Landstra├če blieb es dann aber dabei.

Ach ja die City. Dort hat mir der C-Zero wirklich gut gefallen. Genauer gesagt sogar sehr gut. Seine Fahrleistungen sind mehr als ausreichend um jederzeit allen Verkehrssituationen gewachsen zu sein. Dort ist er das kleine, nette Elektroauto welches einen von A nach B bringt. Ohne Murren und Knurren. Kleine Parkl├╝cken ? Kein Thema. Schmale Stra├čen ? Kein Thema. Schlechte stra├čen ? Aber sowas von ein Thema. Genau wie der e-Smart ist der C-Zero kn├╝ppelhart gefedert. Streng genommen habe ich mich mehrmals gefragt, ob das Ding ├╝berhaupt ein Fahrwerk hat. Schlagl├Âcher werden 1 zu 1 an die Insassen weitergegeben. Seine Dritten muss man wirklich gut festhalten. Auch jede andere erdenkliche Unebenheit wird gef├╝hlsecht ├╝bertragen. Menschen die in einer Stadt mit vielen schlechten Stra├čen leben, k├Ânnte das tats├Ąchlich abschrecken. Doch sind wir ehrlich – wer f├Ąhrt (und ich rede hier von Fahren im w├Ârtlichen Sinne und nicht vom Rush-Hour Stau) damit l├Ąnger als 30 Minuten am St├╝ck ? Und das kann man schon aushalten. Ich zumindestens. Ursache f├╝r die ruppige Art d├╝rfte (denn ich wei├č es ehrlich gesagt nicht genau und bin gerade zu faul zum Suchen) wohl die Tatsache sein, dass Citroen die Batterien in den Unterboden verbaut hat (was wiederum auch die H├Âhe des Fahrzeugs erkl├Ąren w├╝rde). Dementsprechend hat der C-Zero einen niedrigen Schwerpunkt und das ist (fast) immer gleichbedeutend mit einer guten Stra├čenlage. Dies habe ich bei einer von Gr├╝n auf Gelb wechselnden Ampel bei gleichzeitigem Abbiegevorgang gleich mal ausprobiert. Ergebnis – quietschende Reifen, leichtes Wanken. Das wars. Ehrlich gesagt hatte ich mich seelisch und moralisch schon auf ein ausbrechendes Heck und Geschrei vom Beifahrersitz vorbereitet. Doch dazu kam es nicht. Nett. Die aber offenbar im Stillen stattfindenen Schwei├čausbr├╝che lie├čen die Scheiben beschlagen, so dass ich mich zum ersten Mal mit der Heizung / L├╝ftung konfrontiert sah. Und da war sie endlich. Die kleine franz├Âsische Designnote, mit der Citroens Ingenieure deutsche Autofahrer verwirren seit 1886. Mit Funktionalit├Ąt hatte das n├Ąmlich nichts zu tun. Der obere der 3 Drehregler machte insofern noch Sinn, dass man von links nach rechts die Temperatur von kalt bis warm regeln konnte. Der Mittlere regelte das Gebl├Ąse. Jedoch nicht in 1, 2 oder 5 Stufen, sondern in ca. 20. Warum und wozu ? Ich habe keine Ahnung. Dann der letzte Drehregler, verantwortlich f├╝r das Ziel der L├╝ftung (scheibe, F├╝├če, etc.). Dieser befand sich soweit unten, dass ich ihn leichter mit dem Fu├č als mit der Hand h├Ątte bedienen k├Ânnen. Dementsprechend konnte ich die H├Ąlfte der Symbole nicht lesen und musste mich schon sehr anstrengen, um das gew├╝nschte Ergebnis zu erzielen ohne dabei einen Unfall zu bauen. Nicht gut. ├ähnliches gilt f├╝r die an sich nicht so dumme R├╝ckspiegel / Navi Kombination. Leider sorgt das in die rechte Seite des R├╝ckspiegels eingebaute Navigationssystem daf├╝r, dass der ├╝brig gebliebene Bereich f├╝r den R├╝ckspiegel ziemlich klein ist. Und irgendwie auch seltsam dunkel. Vielleicht war er abgeblendet (konnte ich nicht rausfinden). Und – das Navi lenkt vom Verkehr ab. Erheblich. Zun├Ąchst erschien es mir logisch – denn in den R├╝ckspiegel schaue ich (im Vergleich zu sehr vielen anderen Verkehrsteilnehmern) recht h├Ąufig. Ben├Âtigt man daf├╝r aber nur Sekunden, so reicht das nicht um auf dem Navi etwas zu erkennen. Die logische Folge – man schaut l├Ąnger hin und nicht nach vorne. Die Bedienung habe ich der Person auf dem Beifahrersitz ├╝berlassen (jaja Vorbild und so), doch leider war das auch keine gute Idee. Denn w├Ąhrende diese die Zieleingabe vornimmt, sieht man im Spiegel auf der Beifahrerseite nix mehr. Zudem hat man st├Ąndig Arme neben sich in Kopfh├Âhe rumfuchteln. Ich denke ein klassiches Frontscheibennavi ist die bessere Wahl.

Fazit: Es gibt vieles am C-Zero was mir nicht gefiel. Die selben Dinge gefallen mir aber auch an einem Renault clio oder einem Citroen C1 nicht. Die Fahrleistungen stimmen. Und genau das macht den C-Zero so gut. Er ist kein elektrischer Gabelstapler f├╝r die Stra├če, sondern ein vollwertiges Auto. Daher w├╝rde ich ihn wieder fahren. Gerne sogar. Ob das jetzt die Umwelt schont und alle unsere Probleme in Bezug auf Mobilit├Ąt l├Âst ist eine andere Diskussion.

Nachtrag:

Ach da war ja noch etwas. Irgendsoein Depp hatte seinen Benzin-Toyota auf meinem reservierten Parkplatz mit Steckdose geparkt. Zum Gl├╝ck das Problem der Car-Sharing Firma und nicht meins. Allerdings f├╝hrte dieser “Vorfall” zu einem lustigen Telefongespr├Ąch mit der Hotline besagter Firma. Kurz den Sachverhalt geschildert und schon fragte die Dame am anderen Ende der Leitung. “Na wie voll isser denn noch ?” “Halb voll.” war meine Antwort. Daraufhin sie: “Na was hei├čt denn halb voll, 80% oder 60% ?”. Ich dachte f├╝r einen kurzen Augenblick sie will mich verarschen, aber dann kam die Erleuchtung. Ich: “Na halb voll sind 50%.” Sie: “Aber sie sind doch nur 32km gefahren.”

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