car2go – ein Erfahrungsbericht

(only in german – sorry)

Dem oder der aufmerksamen Leser/-in  meines Blogs dĂŒrfte schon bekannt sein, dass ich hin und wieder Nutzer des Carsharing Angebotes der Deutschen Bahn namens Flinkster bin. Ein ganz klarer Nachteil von Flinkster war bisher, dass das “geteilte” Fahrzeug wieder dort abgestellt werden musste, wo man es zuvor abgeholt hatte. Eine reine one-way Fahrt war nicht möglich.

Doch seit kurzem haben die Deutsche Bahn und Daimler (Car2Go) ihre Cahrsharing Angebote zusammen gelegt. Der Vorteil daran: Car2Go ermöglicht nicht nur die one-way Fahrt, vielmehr kann man das geteilte Fahrzeug an jedem beliebigen Ort innerhalb des Car2Go GeschĂ€ftsgebietes einfach abstellen. Eine zusĂ€tzliche Registrierung oder Anmeldung ist fĂŒr Flinkster Nutzer dabei nicht notwendig. Einzig und allein eine PIN sollte man fĂŒr seinen Flinkster Acccount festgelegt haben, was sich aber in wenigen Minuten auf der Website bewerkstelligen lĂ€sst. In der Flinkster App geht das leider nicht.

Praktisch funktioniert die Nutzung dann recht einfach und komfortabel. Ich bestimme mit Hilfe der Flinkster Smartphone App meinen Standort und bekomme dort sehr zĂŒgig zunĂ€chst alle Flinkster Fahrzeuge im nĂ€heren Umkreis angezeigt und mit kurzer Verzögerung dann die verfĂŒgbaren Car2Go Fahrzeuge. Eine adressspezifische Suche, unabhĂ€ngig vom aktuellen Standort, ist ebenfalls möglich. Hat man ein passendes Fahrzeug in der nĂ€heren Umgebung gefunden, kann man es fĂŒr max. 30 Minuten reservieren, damit in der Zwischenzeit kein anderer damit wegfĂ€hrt. Die App zeigt neben dem Kennzeichen und dem Standort, auch den Ladestand bei Elektrofahrzeugen an.

Am reservierten Fahrzeug angekommen – in meinem Fall (wie im gesamten Großraum Stuttgart) ein e-Smart der 2. Generation (Smart Fortwo ED) – wird dieses aus der Flinkster App heraus geöffnet. Vorteil dieses Konzepts ist ganz klar, dass ich keine extra Zugangskarte /-schlĂŒssel benötige (oder wie im Falle von Flinkster einen Aufkleber auf meinem FĂŒhrerschein habe, dessen rechtliche ZulĂ€ssigkeit ohnehin in Frage steht; Stichwort: VerĂ€nderung eines amtlichen Dokumentes). Doch darin liegt gleichzeitig der grĂ¶ĂŸte Nachteil – die Gebundenheit an das Smartphone bzw. die App (Verlust, Akku leer, kein Empfang – siehe weiter unten). Und so kam es an einem schönen Morgen, dass es offensichtlich technische Probleme bei Car2Go gab und ich zwar ein Fahrzeug reservieren konnte, aber als ich davor stand, es nicht öffnen konnte. Das Problem hatten zu der Zeit offensichtlich viele Kunden, denn die Hotline war ĂŒberlastet, so dass ich nicht herausfinden konnte, ob man dort in der Lage gewesen wĂ€re, das Fahrzeug zu öffnen.

Doch zurĂŒck zum Normalzustand – der erfolgreichen Öffnung per App. Dies dauert gefĂŒhlt zwischen 20 und 30 Sekunden. Nach Öffnung der TĂŒren, wird man freundlich vom multifunktionalen Bordcomputer begrĂŒĂŸt. Im Display des besagten Bordcomputers, der gleichzeitig Freisprecheinrichtung, Radio und Navi ist, muss nun die bereits oben angesprochene PIN eingeben sowie die Nutzungsbedingungen erneut bestĂ€tigt werden (musste bereits bei der Reservierung in der App getan werden). Anschliessend wird der SchlĂŒssel ins ZĂŒndschloss gesteckt und die Fahrt kann beginnen.

Das Fahren selbst funktioniert problemlos und nach einer Woche mit tĂ€glicher Nutzung eines e-Smarts, war der Umstieg auf ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor ein wenig seltsam (Stichwort: keine Rekuperation). Die Unterschiede zum 2012 von mir gefahrenen e-Smart der 1. Generation sind dramatisch. Die aktuelle Generation fĂ€hrt schneller, weiter und wirkt allgemein ausgereifter. Allein der Fahrkomfort lĂ€sst immer noch stark zu wĂŒnschen ĂŒbrig. Hart wie ein Brett ist immer noch stark untertrieben.

Wie am Anfang des Artikels erwĂ€hnt, kann man das Fahrzeug an einer beliebigen Stelle im Car2Go GeschĂ€ftsgebiet abstellen. Der Bordcomputer weißt einen anhand der aktuellen Fahrzeugposition auch daraufhin, wenn man das GeschĂ€ftsgebiet verlĂ€sst. In diesem Falle muss man dann zunĂ€chst in das GeschĂ€ftsgebiet zurĂŒckkehren, bevor das Fahrzeug final abgestellt werden kann. Warum final ? Eine Fahrtunterbrechung außerhalb des GeschĂ€ftsgebietes ist durchaus möglich. In der praktischen Umsetzung des GeschĂ€ftsgebietes gibt es meiner Meinung nach allerdings noch Korrekturbedarf. So ist das GeschĂ€ftsgebiet im Großraum Stuttgart kein großer Kreis oder ein großes Rechteck, sondern ein Gebilde mit Unterbrechungen und ausgelassenen Bereichen. Das mag durchaus nachvollziehbare GrĂŒnde haben, ist aber fĂŒr den ortsfremden Kunden nicht besonders hilfreich und vorallem nicht kurzfristig planbar. Im Zweifelsfalle muss man also vor Fahrtantritt auf der Website von Car2Go schauen, ob das Ziel innerhalb des GeschĂ€ftsgebietes liegt oder nicht.

Liegt das Ziel im GeschĂ€ftsgebiet, ist die Fahrzeugmiete schnell beendet. Zieht man den SchlĂŒssel aus der ZĂŒndung, erscheint im Bordcomputer der Vorschlag “Miete beenden”. BestĂ€tigt man dies, wird ein Countdown von 15 Sekunden angezeigt, der allerdings erst beginnt, nachdem alle TĂŒren geschlossen wurden. Das heißt selbst fĂŒr den Fall das man etwas liegengelassen hat, hat man nach Schliessen der letzten TĂŒr noch 15 Sekunden Zeit um es rauszuholen. Sollte das nicht reichen, so steht das Fahrzeug nach ca. 2 – 3 Minuten wieder zur Buchung in der App zur VerfĂŒgung.

An dieser Stelle mĂŒsste ich jetzt noch diverse SonderfĂ€lle erwĂ€hnen, bspw. der Akku is (fast) leer, ich habe eine Panne / Unfall und Ähnliches. Da ich bisher noch keine Erfahrungen damit habe, wĂŒrde ich diese dann ggf. hier nachreichen.

Interessant ist natĂŒrlich noch der Preis. Dieser liegt im Großraum Stuttgart derzeit bei 0,29 EUR / Minute. Das mag auf den ersten Blick viel erscheinen – denn was ist schon eine Minute – ist aber um ein vielfaches billiger als eine Taxifahrt. Auch einem Vergleich mit dem Nahverkehr kann das Preismodell, insbesondere auf Kurzstrecken, standhalten.

Fazit:

Insgesamt gesehen bin ich bisher von Car2Go sehr begeistert. Es ermöglicht mir unkomplizierte MobilitĂ€t in fremden Umgebungen zu einem fairen Preis. Nachbesserungsbedarf gibt es meiner Meinung nach bei der Umsetzung des GeschĂ€ftsgebietes sowie bei der Gebundenheit an ein Smartphone. Generell ist natĂŒrlich die nicht vorhandene VerfĂŒgbarkeit in kleineren StĂ€dten zu bemĂ€ngeln.

 

Citroen C-Zero – ein elektrischer Fahrbericht

c01(only in german – sorry)

Elektroauto Nr. 2 – das war der Citroen C-Zero fĂŒr mich. Meine ersten praktischen Erfahrungen in einem zero-emission-vehicle machte ich in einem e-Smart (Fahrbericht hier) vor ĂŒber einem Jahr. Genau genommen sind aber sowohl der e-Smart als auch der Citroen Zero nur lokal emissionsfrei, denn die Energie mit der sie geladen werden, muss schliesslich irgendwo und irgendwie produziert werden. Genug der Vorrede, schauen wir mal wie sich der kleine Citroen schlĂ€gt.

Von außen betrachtet sieht der Citroen aus wie ein sehr schmaler, aber recht hoher Kleinwagen. Die Form hat mich sofort an asiatische Autos erinnert. Der Blick in den Kofferraum offenbart Platz fĂŒr ca. 2 BierkĂ€sten und noch ein bisschen Kram obendrauf. Nicht groß, aber fĂŒr die GrĂ¶ĂŸe des Fahrzeugs okay. Sollte man mehr Stauraum benötigen, kann man sich einfach der RĂŒckbank bedienen, die sich dank der 4 TĂŒren schnell beladen lĂ€sst. Ob ich dort allerdings sitzen möchte – hinter mir als Fahrer jedenfalls nicht. Auf dem Fahrersitz angekommen, merke ich zum ersten Mal wie klein der Innenraum wirklich ist. Man sollte seinen Beifahrer schon mögen, denn weit weg ist er / sie nicht. Die erste echte EnttĂ€uschung lĂ€sst dann nicht lange auf sich warten. Der Fahrersitz lĂ€sst sich nicht weit genug nach hinten schieben. Und das bei meinen mickrigen 1,80m. Daraus folgt, dass ich problemlos mit den Knien lenken könnte. Will ich aber nicht. Wenigstens lĂ€sst sich die Lehne deutlich hinter die B-SĂ€ule bringen, was den Sitzkomfort wenigstens ein bisschen rettet. NĂ€chtes Problem – der Gurt. Ich muss mich schon deutlich verrenken, um ihn in seine Verriegelung zu bringen. Fazit: ich bin zu dick fĂŒr dieses Auto. Danach wurde es besser.

SchlĂŒssel ins ZĂŒndschloss (ja sowas gibt es), drehen und es passiert – nichts. Das entsprach allerdings meiner Erwartung. Im Display begrĂŒĂŸte mich in freundlichem GrĂŒn das Wort “Ready” und die Ladeanzeige stand bei “F” wie “Full”. Also fix den Ganghebel im extrem hakeligen Automatikgetriebe auf Reverse, lautlos raus aus der ParklĂŒcke und mittels “D” wie “Drive” der City entgegen. Schon auf den ersten Metern fĂ€llt auf, dass der C-Zero sehr wendig und zackig ist. Leider hat er nicht die unglaubliche Beschleunigung, wie ich sie im e-Smart beobachten konnte. DrĂŒckt man das Gas beim Ampelrennen voll durch, so geht es durchaus flott vorwĂ€rts. Aber eben nicht radikal. Ein engagierter Rentner im Renault Megane konnte mich sogar auf den ersten 100m abhĂ€ngen. Schade. Doch das Ganze hat seinen Grund. War alles ĂŒber 50 – 60 km/h im e-Smart eine reinste Qual, so souverĂ€n meistert der C-Zero den Sprint auf höhere Geschwindigkeiten. Genauer gesagt, tat er das bis zu offensichtlich elektronisch begrenzten 136 Stundenkilometer. Okay, dann gings bergab und schon standen 142 km/h auf der Uhr aber wie jeder weiß – auf jedes Tal folgt ein Berg. Diesen meisterte er anstĂ€ndig im 120er Bereich. Nett. Dieser kurze Ausflug ĂŒbers Autobahndreieck von Möbelhaus A zu Möbelhaus B hatte jedoch einen bitteren Nebeneffekt. Die Ladestandsanzeige war plötzlich nur noch halbvoll. Nach 20, zugegebenermaßen nicht sehr sparsam gefahrenen, Kilometern. Ups. In den weiteren 12km City + Landstraße blieb es dann aber dabei.

Ach ja die City. Dort hat mir der C-Zero wirklich gut gefallen. Genauer gesagt sogar sehr gut. Seine Fahrleistungen sind mehr als ausreichend um jederzeit allen Verkehrssituationen gewachsen zu sein. Dort ist er das kleine, nette Elektroauto welches einen von A nach B bringt. Ohne Murren und Knurren. Kleine ParklĂŒcken ? Kein Thema. Schmale Straßen ? Kein Thema. Schlechte straßen ? Aber sowas von ein Thema. Genau wie der e-Smart ist der C-Zero knĂŒppelhart gefedert. Streng genommen habe ich mich mehrmals gefragt, ob das Ding ĂŒberhaupt ein Fahrwerk hat. Schlaglöcher werden 1 zu 1 an die Insassen weitergegeben. Seine Dritten muss man wirklich gut festhalten. Auch jede andere erdenkliche Unebenheit wird gefĂŒhlsecht ĂŒbertragen. Menschen die in einer Stadt mit vielen schlechten Straßen leben, könnte das tatsĂ€chlich abschrecken. Doch sind wir ehrlich – wer fĂ€hrt (und ich rede hier von Fahren im wörtlichen Sinne und nicht vom Rush-Hour Stau) damit lĂ€nger als 30 Minuten am StĂŒck ? Und das kann man schon aushalten. Ich zumindestens. Ursache fĂŒr die ruppige Art dĂŒrfte (denn ich weiß es ehrlich gesagt nicht genau und bin gerade zu faul zum Suchen) wohl die Tatsache sein, dass Citroen die Batterien in den Unterboden verbaut hat (was wiederum auch die Höhe des Fahrzeugs erklĂ€ren wĂŒrde). Dementsprechend hat der C-Zero einen niedrigen Schwerpunkt und das ist (fast) immer gleichbedeutend mit einer guten Straßenlage. Dies habe ich bei einer von GrĂŒn auf Gelb wechselnden Ampel bei gleichzeitigem Abbiegevorgang gleich mal ausprobiert. Ergebnis – quietschende Reifen, leichtes Wanken. Das wars. Ehrlich gesagt hatte ich mich seelisch und moralisch schon auf ein ausbrechendes Heck und Geschrei vom Beifahrersitz vorbereitet. Doch dazu kam es nicht. Nett. Die aber offenbar im Stillen stattfindenen SchweißausbrĂŒche ließen die Scheiben beschlagen, so dass ich mich zum ersten Mal mit der Heizung / LĂŒftung konfrontiert sah. Und da war sie endlich. Die kleine französische Designnote, mit der Citroens Ingenieure deutsche Autofahrer verwirren seit 1886. Mit FunktionalitĂ€t hatte das nĂ€mlich nichts zu tun. Der obere der 3 Drehregler machte insofern noch Sinn, dass man von links nach rechts die Temperatur von kalt bis warm regeln konnte. Der Mittlere regelte das GeblĂ€se. Jedoch nicht in 1, 2 oder 5 Stufen, sondern in ca. 20. Warum und wozu ? Ich habe keine Ahnung. Dann der letzte Drehregler, verantwortlich fĂŒr das Ziel der LĂŒftung (scheibe, FĂŒĂŸe, etc.). Dieser befand sich soweit unten, dass ich ihn leichter mit dem Fuß als mit der Hand hĂ€tte bedienen können. Dementsprechend konnte ich die HĂ€lfte der Symbole nicht lesen und musste mich schon sehr anstrengen, um das gewĂŒnschte Ergebnis zu erzielen ohne dabei einen Unfall zu bauen. Nicht gut. Ähnliches gilt fĂŒr die an sich nicht so dumme RĂŒckspiegel / Navi Kombination. Leider sorgt das in die rechte Seite des RĂŒckspiegels eingebaute Navigationssystem dafĂŒr, dass der ĂŒbrig gebliebene Bereich fĂŒr den RĂŒckspiegel ziemlich klein ist. Und irgendwie auch seltsam dunkel. Vielleicht war er abgeblendet (konnte ich nicht rausfinden). Und – das Navi lenkt vom Verkehr ab. Erheblich. ZunĂ€chst erschien es mir logisch – denn in den RĂŒckspiegel schaue ich (im Vergleich zu sehr vielen anderen Verkehrsteilnehmern) recht hĂ€ufig. Benötigt man dafĂŒr aber nur Sekunden, so reicht das nicht um auf dem Navi etwas zu erkennen. Die logische Folge – man schaut lĂ€nger hin und nicht nach vorne. Die Bedienung habe ich der Person auf dem Beifahrersitz ĂŒberlassen (jaja Vorbild und so), doch leider war das auch keine gute Idee. Denn wĂ€hrende diese die Zieleingabe vornimmt, sieht man im Spiegel auf der Beifahrerseite nix mehr. Zudem hat man stĂ€ndig Arme neben sich in Kopfhöhe rumfuchteln. Ich denke ein klassiches Frontscheibennavi ist die bessere Wahl.

Fazit: Es gibt vieles am C-Zero was mir nicht gefiel. Die selben Dinge gefallen mir aber auch an einem Renault clio oder einem Citroen C1 nicht. Die Fahrleistungen stimmen. Und genau das macht den C-Zero so gut. Er ist kein elektrischer Gabelstapler fĂŒr die Straße, sondern ein vollwertiges Auto. Daher wĂŒrde ich ihn wieder fahren. Gerne sogar. Ob das jetzt die Umwelt schont und alle unsere Probleme in Bezug auf MobilitĂ€t löst ist eine andere Diskussion.

Nachtrag:

Ach da war ja noch etwas. Irgendsoein Depp hatte seinen Benzin-Toyota auf meinem reservierten Parkplatz mit Steckdose geparkt. Zum GlĂŒck das Problem der Car-Sharing Firma und nicht meins. Allerdings fĂŒhrte dieser “Vorfall” zu einem lustigen TelefongesprĂ€ch mit der Hotline besagter Firma. Kurz den Sachverhalt geschildert und schon fragte die Dame am anderen Ende der Leitung. “Na wie voll isser denn noch ?” “Halb voll.” war meine Antwort. Daraufhin sie: “Na was heißt denn halb voll, 80% oder 60% ?”. Ich dachte fĂŒr einen kurzen Augenblick sie will mich verarschen, aber dann kam die Erleuchtung. Ich: “Na halb voll sind 50%.” Sie: “Aber sie sind doch nur 32km gefahren.”

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