ÜberlebensratschlĂ€ge fĂŒr hĂ€ufige Reisen mit der Deutschen Bahn

(only in german – sorry)

In meinem Artikel Bahncard 100 – das Experiment beginnt habe ich meine Erfahrungen aus einem Jahr intensiven Bahnfahrens niedergeschrieben. In dieser Zeit habe ich auch einige praktische Erfahrungen sammeln können, die ich hiermit weitergeben möchte. Einige der Tipps sind dabei nicht ganz so ernst gemeint und alle gehen davon aus, dass ihr wirklich viel Bahn fahrt.

Tipps fĂŒr den / die Bahn-Vielfahrende(n)

0. Entspanne dich, atme tief ein und aus.

1. AusrĂŒstung

a) Kauf dir ein Smartphone, einen leistungsfÀhigen Zusatzakku und installiere den DB Navigator.
b) Idealerweise kauf dir ein zweites Smartphone, mit einem anderen Mobilfunkanbieter, so dass du eine höhere Wahrscheinlichkeit der Netzabdeckung im fahrenden Zug hast und somit dem DB Navigator eher Ergebnisse entlockst.
c) Stelle sicher, dass Smartphone und Zusatzakku immer vor Fahrantritt voll geladen sind.
d) Deponiere ein LadegerĂ€t fĂŒr Smartphone und Zusatzakku so, dass du es IMMER dabei hast.
e) Idealerweise hast du ein zweites LadegerĂ€t dabei. FĂŒr alle FĂ€lle und so.

2. Vorbereitung / DB-Navigator / Anzeigen und Durchsagen

a) Lerne die Bedienung des DB Navigators auswendig (inkl. aller möglichen Optionen). Du musst in der Lage sein innerhalb von 15 Sekunden 2 alternative Verbindungen herauszusuchen, wÀhrend du mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug springst und nebenbei eine Waffe an den Kopf gehalten bekommst.
b) Wenn du dir eine Verbindung mit dem DB Navigator herausgesucht hast, mache einen Screenshot davon. Das hilft zum einen wenn du sehr vergesslich bist und dir AnschlusszĂŒge oder Gleise nicht merken kannst. Zum anderen kannst du dir damit in empfangsschwachen Gebieten deine Verbindung nochmal vor Augen fĂŒhren.
c) Wenn du masochistisch veranlagt bist, hast du zusĂ€tzlich das Kursbuch der Bahn fĂŒr ganz Deutschland dabei. FĂŒr den Fall, dass das Mobilfunknetz ausfĂ€llt oder die Welt unter geht.
d) Vertraue keiner Anzeige, Durchsage oder Aussage der Deutschen Bahn. Egal wie positiv, negativ oder neutral diese sein mögen.
e) PrĂŒfe immer mit dem DB Navigator nach.
f) Benutze die SichtprĂŒfung (“…ich kann meinen Anschlusszug schon (noch) sehen”.)
g) Die Durchsage “In XYZ werden alle AnschlusszĂŒge erreicht” ist im besten Falle eine Theorie.

3. Sinnvolle ÜberbrĂŒckung und Nutzung von Wartezeiten

a) Nutze die Zeit ! 95% der Dinge die es an Bahnhöfen zu essen / trinken gibt sind ungesund und machen fett (schau mich an). Daher:
b) Lerne die Lage der Gleise zueinander. Sind Gleis 1 & 2 auf dem selben Bahnsteig oder Gleis 2 & 3 usw. ? PrÀge dir das unbedingt ein.
c) Gehe die Bahnsteige ab. Gibt es AbkĂŒrzungen um von Gleis X zu Gleis Y zu gelangen (UnterfĂŒhrungen, Rolltreppen, etc.). Und nein, GleisĂŒberquerungen gelten NICHT als AbkĂŒrzung.
d) Gibt es markante Dinge auf dem Bahnsteig, die sich leicht merken lassen und die du in Relation zu der Position der TĂŒren des Zuges setzen kannst (Hinweisschilder, Raucherecken, MĂŒlleimer) ? Sowas sichert dir im Zweifelsfalle einen Sitzplatz, weil du als Erster in den vollkommen ĂŒberfĂŒllten Zug einsteigen kannst (da du genau da stehst wo sich die TĂŒr öffnet).
e) Setze die Ausstiegsseite des Zuges in Relation zur Lage der Gleise (Schritt 3b). Merke dir das ! Es hilft dir bei der Analyse, wie schnell und wie weit du rennen musst. Zudem kannst du dich im Zug lange bevor es durchgesagt wird an der richtigen TĂŒröffnungsseite positionieren (Achtung in Frankfurt Hbf: die ZĂŒge wechseln gerne kurzfristig das Gleis, meißtens auf das GegenĂŒberliegende).
f) Gehe zum ersten Gleis. Stoppe die Zeit die du brauchst um von dort zum letzten Gleis zu kommen. Wiederhole das Ganze vom letzten zum ersten Gleis. Merke dir die Zeit und jetzt renne die selbe Strecke als wĂ€re dir der Teufel persönlich auf den Fersen. Du brauchst lĂ€nger als 2 Minuten ? Dann heißt es trainieren, trainieren, trainieren. NatĂŒrlich mit GepĂ€ck (siehe auch Schritt 4).
g) Lerne den Bahnhof kennen. Wieviele Ein- / AusgĂ€nge gibt es ? Wo ist der DB Schalter ? Das Reisezentrum ? Die DB Lounge ? Die Toiletten ? TaxistĂ€nde ? Abfahrtsort von S-, U-Bahn und Nahverkehr ? SchließfĂ€cher ?
h) Suche die Schalter der einschlĂ€gigen Mietwagenfirmen. PrĂŒfe ob du irgendwelche Rabatte oder Sonderangebote aufgrund deines Bahntickets / Bahncard / was auch immer bekommst. KlĂ€re ab, was du zur Anmietung eines Fahrzeuges benötigst (Kreditkarte, etc.) und fĂŒhre dies zukĂŒnftig immer bei dir.

4. GepÀck

a) Optimiere dein GepÀck ! Lass alles zu Hause was du nicht unbedingt brauchst. Packe lieber etwas Warmes zum Anziehen ein (und etwas Gesundes zum Essen und Trinken).
b) Idealerweise hast du kein GepĂ€ck und alles “am Mann”.
c) Du hast nur ein GepĂ€ckstĂŒck. Dieses lĂ€sst dir aber beide HĂ€nde frei (Rucksack, UmhĂ€ngetasche) und du kannst damit sehr schnell rennen.
d) Du hast 2 GepĂ€ckstĂŒcke. Schlecht. Siehe 4a und 4b.
e) Gut, also doch 2 GepĂ€ckstĂŒcke. Nr. 1 muss unbedingt den Bedingungen aus 4b entsprechen. Nr. 2 ist idealerweise ein IATA Maßen entsprechendes HandgepĂ€ckstĂŒck mit gut funktionierenden Rollen und ausziehbarem Griff. Du musst damit genauso schnell rennen können wie in 4b. Wenn die Rollen beim Rennen den Boden nicht berĂŒhren sondern das GepĂ€ckstĂŒck hinter dir her fliegt, ist das ein Zeichen fĂŒr die richtige Renngeschwindigkeit. Wenn du damit Personen mehr oder weniger “berĂŒhrst” dann brĂŒlle ein lautes Entschuldigung. Renne aber unbedingt unvermindert weiter (Darwin…).
f) Koffer. Fahre mit dem Auto oder lass dich fahren. Alternativ kannst du auch 2 oder mehr Stunden Puffer einplanen, je nach Dringlichkeit deiner pĂŒnktlichen Ankunft. Koffer lassen sich im kompletten Reiseprozess mit der Bahn extrem schwer handhaben und deine AnschlusszĂŒge kannst du gleich abhaken.

5. Verhalten im Zug

a) Verzichte auf eine Sitzplatzreservierung, maßlos ĂŒberteuert und braucht kein Mensch. Ausnahme: fĂŒr den Zug wird eine “voraussichtlich starke Auslastung” angezeigt. Dann erspart dir die Sitzplatzreservierung relativ sicher eine stehende Reise.
b) Lies dir die Reservierungsanzeige am Sitzplatz genau durch. FĂŒr welche Teilstrecke ist der Platz reserviert ? Beispiel: Dein ICE fĂ€hrt von Basel nach Berlin. Du nutzt die Teilstrecke Karlsruhe – Frankfurt Hbf. Die Reservierungsanzeige zeigt an: Frankfurt Hbf – Berlin. Folglich kannst du bequem von Karlsruhe bis Frankfurt auf dem reservierten Platz sitzen.
c) Frage Leute, die ihr GepĂ€ck auf dem freien Sitz neben sich platziert haben, freundlich aber bestimmt, ob der Platz noch frei sei. 98% sagen Ja. Biete ihnen an, dass GepĂ€ck in die dafĂŒr vorgesehenen FĂ€cher ĂŒber den Sitzen zu verstauen.
d) Setz dich in Abteile. In 99% der Abteile ist immer noch mindestens ein Platz frei. Einfach TĂŒr aufschieben und rein.
e) Sei hilfsbereit. Ziemlich viele Menschen benehmen sich in ZĂŒgen wie Arschlöcher. Dabei wĂ€rst du selbst auch dankbar, wenn dir jemand mit deinem unmenschlichen GepĂ€ck / Kinderwagen / Rollstuhl / KrĂŒcken hilft.
f) Kenne und lerne die Strecke deines Zuges inkl. aller Unterwegshalte. Das kleine Faltblatt (ich glaube es heißt Reiseplan und liegt in der Regel (haha) auf mehr oder weniger jedem Sitz) ist dir ein guter Lehrer. Schau dir auch die Entfernungs- und Zeitangaben zwischen den Halten an.

6. Umsteigen und AnschlusszĂŒge

a) Lerne Gleis, Zugnummer deines Anschlusszuges und die zur VerfĂŒgung stehende Zeit zum Umsteigen auswendig.
b) Berechne bei VerspĂ€tung wieviel Zeit dir wirklich zum Umsteigen bleibt und wie groß die Distanz zwischen Gleis X und Gleis Y ist.
c) Beim allem ĂŒber 3 Gleise und unter 5 Minuten renne. Immer !
d) Verinnerliche die Informationen aus Schritt 3 und wende sie an.
e) Ist dein Umsteigebahnhof ein Kopfbahnhof ohne AbkĂŒrzungen, dann gehe bereits 10 Minuten vor Ankunft an das vordere Ende des Zuges (Fahrtrichtung) und positioniere dich direkt vor der TĂŒr auf der Ausstiegsseite. Das spart dir bei langen ICEÂŽs locker 100 – 150m die du weniger rennen musst.
f) Ist dein Umsteigebahnhof ein Durchgangsbahnhof, dann positioniere dich bereits 10 Minuten vor Ankunft an einer TĂŒr auf der Ausstiegsseite. Hast du grĂŒndlich gearbeitet in Schritt 3 wĂ€hlst du zudem eine TĂŒr die am nĂ€chsten zum Zielgleis liegt (z.B. bei Bahnhöfen mit AbgĂ€ngen an beiden Enden des Gleises).
g) Benutze den DB Navigator hĂ€ufig und prĂŒfe auch kurz vor Ankunft auf Neuigkeiten.
h) Wenn es knapp wird…erstmal rein in den Zug, Wagen egal. Um deinen Sitzplatz, Bordbistro oder die Fahrkarte kannst du dich immer noch kĂŒmmern (Achtung: im Nahverkehr solltest du idealerweise schon eine Fahrkarte haben oder SOFORT zum Zugbegleiter mit deiner VerspĂ€tungsgeschichte gehen).
i) WĂ€hrend du durch den Bahnsteig rennst versuche ein Auge auf die Anzeigentafeln und ein Ohr auf die Durchsagen zu richten. Manche Gleiswechsel passieren wirklich erst um 5 vor 12 und du willst nicht zum falschen Gleis rennen. Wirklich nicht.
j) Bevor du in den Zug einsteigst wirft immer einen schnellen Blick auf die Zugnummer, idealerweise auf die, die in einem der Zugdisplays angezeigt wird. Notfalls tuts auch die Anzeige ĂŒber dem Gleis (dann kann es dir allerdings passieren, dass vor dir noch ein anderer Zug steht als angezeigt wird).

to be continued…